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VORWORT oder so ein niederländischer Akzent wie Rudi Carell, geht das?


KONTAKTAUFNAHME. Es geht um Kühlschränke, die Schlüsselübergabe und Touristen am Strand. Dabei sitzen wir doch alle zu Hause, an unseren Schreibtischen, vor den Bildschirmen. Alle Varianten stehen wieder im Raum und ich, am Ende des Tages, mit meinem Fahrrad heulend auf der Kreuzung. Komme nicht vom Fleck, weil ich mich einfach nicht entscheiden kann, ob ich geradeaus fahren soll oder abbiegen. Es geht weder vor noch zurück. Kühlschrank reparieren, mein Grab schaufeln? Immerhin habe ich das Gefühl, dass die Leute denken, es sei völlig ok, bewegungslos und schluchzend mitten auf der Straße zu stehen. Erkenntnis: Meine Ambiguitätstoleranz - völlig überschätzt. Die der Anderen - völlig unterschätzt.



1 offener, halber Parmesan in unbenutztem Müllbeutel verpackt

1 kleines sehr altes Stück Ingwer

1 Plastikdose mit Fetacreme

1 Tüte mit getrockneten Feigen, verschlossen mit einem Haushaltsgummiband

1 offenes, fast noch volles Glas Oliven

1 fast leerer Tetrapak Hafermilch

1 offenes, halbvolles Himbeermarmeladenglas

1 ganze Paprika, rot

1 0,33l Glasflasche Coca-Cola

1 0,33l Glasflasche Gingerbeer

1 halbvoller Tetrapak Milch

1 praktische Doppeldose mit unten Müsli oben Heidelbeerjoghurt

1 geschlossene Flasche Sekt

1 halbvolle offene Flasche Sekt


(Auflistung vom Inhalt eines Kühlschranks; nach Farbe geordnet)



1.Wenn nicht verloren, der Fisch am Griff. Ein Fisch am Griff, nicht zu verwechseln mit dem Irrglauben, den Fisch im Griff zu haben. Vererbt würde er heute an den Papst.

2.Fotos. Hässliche und Schöne. Alt und neu. Von mir und anderen. (Postkarten zählen zum Teil auch). Gemeinschaftserbe. Jeder der sich berufen fühlt (und man fühlt sich nur zurecht berufen, Zweifel gibt es nicht), kommt und nimmt welche und wieviel er möchte. Mich oder andere. Oder alle.

3.(Eigentlich auch 1. aber aufgrund bürokratischer Hürden jetzt hier gelandet) Meine Kontakte. Mein virtuelles Telefonbuch. Wird meinem Bruder und allen verzeichneten Kontakten gegenseitig vererbt.

4.Die Musik. Als solches. Allgemeingut.

5.Ein kleines Spiegelschränkchen, dunkles Holz, altes Glas, mit zwei minikleinen Schlüsseln, an denen ein Zettel hängt: von Pommer Esche Oberregierungsrat a.D, Klein Adler. Wird von meinem Bruder verwahrt und dann beizeiten seinem Kind vererbt.


(Auflistung von fünf wichtigen Gegenständen mit dem Verweis, an wen sie jetzt vererbt werden würden)



 fotos: Helmut Strahmann, Nina Gschlößl, Maria Trautmann, Itza Sáez M., Tina Davoura, Andre Symann, Meike Willner, charles berger + family